Schönheit in der Fotografie (1/3) – Das Ideal

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Schön: Die beste Ehefrau von allen

Dies ist der erste von drei Artikeln zum Thema „Schönheit in der Fotografie“. Hier geht es um die Entstehung unserer Schönheitsideale, deren Randbedingungen und Folgen. Danach werde ich einen tieferen Einblick in die Wechselwirkungen mit der Fotografie geben, um zum Abschluss im dritten Artikel ein Fotoprojekt anzukündigen, über das ich zur Erweiterung des Horizonts beim Schönheitsempfinden in der Fotografie einladen möchte.

Natürlich schön – die Tricks der Evolution

Eines ist klar: Der Mensch möchte schön sein. Wie im restlichen Tierreich auch, hat die Natur es arrangiert, dass „schöne“ Vertreter der Spezies bei der Partnerwahl bevorzugt werden. Warum? Ganz einfach, die Evolutionsmechanismen beruhen auf der selektiven Vermehrung gelungener Exemplare. Dass wir diese als besonders schön empfinden, hat die Natur so eingerichtet. Da mag, je nach Geschlecht, die Größe eine Rolle spielen, die Kraft, die Geschicklichkeit, die Körperform, Proportionen und vieles mehr. Diese Eigenschaften nehmen wir zuerst unmittelbar über unseren Sehsinn wahr. Da Menschen und Tiere diesen Mechanismus instinktiv verstehen, tun sie alles dafür, im entscheidenden Moment möglichst attraktiv für das andere Geschlecht und möglichst überlegen gegenüber der Konkurrenz aus den eigenen Reihen zu wirken.

Künstlich schön – die Tricks der Industrie

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Lebenserfahrung: Künstler in Kroatien

Die Definition dessen, was von der Allgemeinheit an einem Menschen als „schön“ empfunden wird, ist abhängig von verschiedenen Parametern: der Umgebung, der Versorgungslage, der jeweiligen Kultur.  Aber das ist nicht alles, denn jetzt kommt die Konsumgesellschaft ins Spiel. Schönheitsideale sind nicht mehr nur an natürliche Erfordernisse gekoppelt, sondern werden auch vom Menschen und dessen Industrie gezielt gesetzt. Obwohl die Spezies einen ausgefeilten, phantastisch effektiven Mechanismus zur Speicherung von Energie über Körperfette entwickelt hat, gelten (momentan) die Exemplare, die zeigen, dass er bei ihnen funktioniert, nicht als besonders schön. Magere Personen, die nicht sehr robust wirken und es nur kurz ohne Nahrungszufuhr aushalten würden, kommen dem Ideal schon viel näher. Obwohl eine reife Haut mit Spuren und Falten für viel Wissen und Lebenserfahrung spricht, idealisieren wir den jugendlich makellosen, glatten Teint. Mag das für die nachwuchsgesteuerte Partnerwahl in der Jugend noch eine Rolle spielen, so tut es das im fortgeschrittenen Alter – rein biologisch – nicht mehr.

Wir setzen alles daran, möglichst jung, makellos und schlank auszusehen, um einem Schönheitsideal zu entsprechen, an dessen Prägung die Mode- und Kosmetikindustrie einen gehörigen Anteil hat. Selbstverständlich, denn nur über dieses Ideal generiert sie ihren Umsatz. Im Endeffekt geht es also darum, über teure Hilfsmittel einen attraktiveren Menschen zu erschaffen, die Natur vermeintlich zu überlisten.

Das Foto – der schöne Schein

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Jugendliche Schönheit: Ana

Wenn wir vom Aussehen sprechen, kommt das „Bild des Menschen“ ins Spiel. Eine Fotografie, speziell ein Portrait, ist ein Festhalten der aktuellen Erscheinung eines Menschen. Ein Foto sehen im Zeitalter der Massen- und Internetmedien weit mehr Menschen als jemals zuvor. Ein Foto gibt einen markanten Eindruck, ein Statement, da will man gut aussehen, vorteilhaft, „schön“!

Und was Diät, Make-up und Concealer vor dem Foto-Shooting nicht schaffen, wird in der Nachbearbeitung durch Retusche erledigt. Das ist heute so üblich und es ist müßig, daran zu rütteln. Es geht soweit, dass Stars einen Stab von mehreren Mitarbeitern unterhalten, die exklusiv deren Fotos retuschieren. Vor jeder Veröffentlichung und immer mit dem selben Ziel: Ein einheitlich (ge)schön(t)es Bild des Stars in der Öffentlichkeit aufrecht zu erhalten.

Das Spiegelbild ist kein Cosmopolitan-Cover?

Was ist nun das Problem an der ganzen Sache? Ganz einfach: Wir entsprechen nicht dem vermeintlichen Schönheitsideal, werden aber von Werbung und Medien ununterbrochen mit ihm konfrontiert. Wir sehen Fotos von Menschen, die gezielt so ausgewählt und bearbeitet sind, dass sie dauerhaft dieses Idealbild in uns verankern. Das ist natürlich kein Zufall, sondern ureigenste Werbestrategie: Mit der Verdeutlichung des Problems wird uns auch gleich dessen Lösung präsentiert. In uns wird der Bedarf nach den angebotenen Diät-, Mode- und Kosmetikprodukten erzeugt. Und selbst wenn wir Schummelei und Tricks in der Werbung und den Medien vermuten, ändert dies nichts an deren Wirkung auf unseren oft unbewussten Wunsch nach Entsprechung. Wer es sich leisten kann oder muss (z.B. aus beruflichen Gründen), trägt sein Übriges dazu bei, indem er sein Aussehen anpasst, sich präsentiert und dafür mit wohlwollender Aufmerksamkeit belohnt wird.

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Schönheitsideal im 17. Jahrhundert: „Drei Grazien“ von Peter Paul Rubens (Bild: zeno.org)

Die Krux an diesen vermittelten Schönheitsidealen ist, dass wir sie wirklich in uns implementieren und kaum hinterfragen. Das können wir leicht an Bildern aus Zeiten sehen, als noch andere Maßstäbe herrschten. Damals wurden Menschen mit ganz anderem Aussehen als dem unserer heutigen Vorzeigemodels als attraktiv wahrgenommen. Natürlich gibt es auch so etwas wie persönlichen Geschmack. Jeder Mensch hat Vorlieben, der eine mag es eher „natürlicher“, die andere steht auf perfektes Make-up. Der eine findet ein Stupsnäschen süß, die andere fühlt sich von markanten Gesichtszügen angezogen. Dahinter stecken individuelle und soziale bzw. milieuhafte Prägungen, die aber grundsätzlich nichts daran ändern, dass jede Gesellschaft ein aktuelles, von Medien und Moden vorgeformtes Ideal hat.

Schönheit in der Fotografie – so geht es weiter

In meinem nächsten Beitrag werde ich erläutern, wie sich das gesetzte Schönheitsideal auf die Fotografie und Bildbearbeitung auswirkt. Und – im Umkehrschluss – die Folgen aufzeigen, die die über Fotografie erzeugten und veröffentlichten Bilder von Menschen auf das Ideal und dessen Prägung haben.

2017-03-13T09:47:46+00:00

2 Kommentare

  1. Sinnsara 20. Juni 2015 um 13:33 Uhr- Antworten

    Was mir zu deinem Post spontan durch den Kopf geht:
    Es kommt ja auch immer darauf an, was die Mehrheit der Konsumenten mit dem Ideal assoziiert.
    Entsinne ich mich recht, so galt es eben damals als attraktiv, wenn man seinen Wohlstand in Form einer üppigen Figur zum Ausdruck brachte, weil die meisten Leute nichts zu Essen hatten.

    Heute scheint es eher so zu sein, dass Diszipliniertheit mit Willensstärke gleichgesetzt und Alpha Menschen zugeordnet wird. Dass man es schafft, trotz des Überangebots an Allem, eben nur das Beste, was einem gut tut, zu konsumieren.
    Einem dicken Menschen (über diese Definition ließe sich auch noch streiten. Ist für den einen, dick= 2 Kg zuviel. Für den anderen der BMI aussagekräftiger oder der Fettgehalt im Körper), sieht man seine Undiszipliniertheit an. Undiszipliniert = Willenssschwach, problembehaftet. Nicht das Übergewicht allein findet man unattraktiv, sondern, die Ursachen. Sich gehen zu lassen, Kontrollverlust in einer – ach so kontrollierten, verkopften Gesellschaft, das wird letztlich als Schwäche gesehen.
    Schwach ist nicht alpha. Nicht alpha heißt omega;-)

    Nur mal so ne Gedankenmühle, die du durch deinen Blogpost bei mir angeschoben hast.
    „Schöner“ Post:-)

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